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Wie man eine Auftragsflaute überlebt

02 März 2016,   By ,   1 Comments

Business-woman-popartDavor haben Selbständige am meisten Angst: Was tun, wenn die Aufträge ausbleiben? Bzw. wenn die aktuellen Honorare gerade so ausreichen, um die vorhandenen Fixkosten wie Miete, Sozialversicherung und Lebenshaltungskosten zu decken, aber man z.B. nichts für die quartalsweise fällige Umsatzsteuer auf die Seite legen kann, weil das Konto eh schon gähnend leer ist?

Die erste wichtige Frage, die man sich in dieser Situation stellen sollte:

Ist das nur eine Phase oder ein Dauerzustand?

Wenn die Aufträge nach der Firmengründung generell ausbleiben, solltest du dir Gedanken über dein Geschäftsmodell machen. Gibt es überhaupt Bedarf an deinem Produkt oder deiner Dienstleistung? Im Idealfall solltest du das schon anhand deines Businessplans und in der Interaktion mit potentiellen Kunden (z.B. über die Social Media) überprüft haben.

Manchmal ist die Akquisezeit auch länger, wenn du es beispielsweise auf Konzerne oder öffentliche Einrichtungen als Kunden abgesehen hast. Aber es sollten signifikante Fortschritte im Verkaufsprozess sichtbar sein, sonst läuft deine Firma wohl dauerhaft ins Leere.

Sunshine after the rain

Keep calm and wait for summerIn den meisten Branchen bewegt sich das Business in Wellen, abhängig von der Saison oder der allgemeinen Wirtschaftslage. Unser Wirtschaftssystem ist sehr komplex und wie man täglich in den Medien sieht, können selbst Banken, Regierungen und Wissenschaftler es nicht 100%ig erklären, geschweige denn vorhersagen. Es wird einfach von so vielen Faktoren beeinflusst, gezielt manipuliert und schwankt mit den irrationalen menschlichen Emotionen.

Bei mir laufen die Geschäfte beispielsweise im Sommer sehr gut. Scheinbar haben da meine Kunden weniger mit ihrem Tagesgeschäft zu tun und nehmen sich Zeit für ihr Marketing, um sich auf das Business nach den Sommerferien vorzubereiten. Im Winter ist dagegen oft eher wenig los. Wenn man das ein paar Jahre lang so beobachtet hat, kann man sich darauf einstellen und weiß, dass es spätestens im Frühling wieder bergauf geht mit der Auftragslage.

In der Zwischenzeit hilft ein Gespräch mit der Bank, die sich normalerweise kooperativ zeigt, wenn die Geschäfte bisher gut liefen.

Wie nutzt man die Flaute positiv?

In dieser Situation hast du also wenige Aufträge und bist knapp bei Kasse.

Aber du hast eine sehr wertvolle Sache im Überfluss: Zeit.

Während scheinbar jeder zu wenig Zeit für alles hat, weißt du nicht, wohin mit den endlosen, täglichen 24 Stunden. Dabei besteht die Gefahr, dass du die Zeit zum Nachdenken nutzt und dir Sorgen über deine Situation machst. Das wäre allerdings kontraproduktiv, da man durch die Beschäftigung mit den negativen Aspekten diese Situation verstärkt. Und Jammerer kommen auch nirgends gut an.

Business_MeditationKeep calm and talk to the right people

Du brauchst also vor allem erstmal Vertrauen, dass es wieder besser wird.

Um das aufzubauen, helfen mir vor allem Gespräche mit anderen Selbständigen. Denn meine angestellten Freunde haben für meine Situation eher weniger Verständnis. Die hätten ja genau deswegen selbst viel zu viel Angst sich jemals selbständig zu machen und raten mir dann zumeist auch, mir doch wieder einen Angestelltenjob zu suchen. Wer aber wirklich Unternehmergeist hat, für den kommt das nicht in Frage, allein weil er von der Persönlichkeit her viel Freiheit braucht und Verantwortung übernehmen will und sich keinem (vermeintlich) inkompetenten Chef mehr unterordnen kann.

Auch Gespräche mit der Familie sind eher kontraproduktiv. Meine Mama macht sich eh schon genügend Sorgen um ihre Tochter, die alleinstehend im Ausland lebt und immer nach scheinbar unerreichbaren Zielen strebt. Helfen kann sie eh auch nicht, also brauche ich ihr gar nicht von dem dicken, fetten Minus auf meinem Konto erzählen. Sie macht mir höchstens noch zusätzlich Schuldgefühle, dass ich mich überhaupt für diesen Lebensweg entschieden habe.

Selbständige dagegen wissen: Das Auf und Ab ist normal.

Wohin also mit der Zeit?

Die meisten Veranstaltungen, Fortbildungen oder sonstigen Selbstoptimierungsmaßnahmen kosten ja leider auch wieder Geld, das man gerade nicht hat.

Das ein oder andere günstige Angebot sollte man aber durchaus wahrnehmen, damit man beim nächsten Auftraggeber mit der neuen Erfahrung oder zusätzliche Qualifikation punkten kann. Ich fliege z.B. demnächst auf die CeBIT und erhoffe mir davon grandiosen fachlichen Input und ein paar interessante Kontakte, die meine österreichischen Konkurrenten wahrscheinlich nicht haben.

Die zweite sinnvolle Beschäftigung ist meiner Meinung nach: Freizeit.

Ja, wirklich. Und zwar ohne deswegen ein schlechtes Gewissen zu haben. Das Bild vom Selbständigen, der „selbst und ständig“ immer im Dienst ist und auch an Wochenenden und Feiertage nie frei hat, hat ausgedient.

Es wird zwar allerorts zu Work-Life-Balance und Nachhaltigkeit aufgerufen. Dennoch leben wir nach wie vor überwiegend in einer Leistungsgesellschaft, in der Freizeit nur in Maßen gewünscht und geduldet wird.

Angst vor der Stille

Wer nichts zu tun hat, ist wahrscheinlich unterqualifiziert und/oder faul. Vollbeschäftigung ist Regierungsziel. Selbst im Urlaub steht bei vielen Leuten die Aktivität im Vordergrund, damit sie anschließend spannende Bilder auf Facebook zu posten haben.

Wer so denkt, übersieht aber Folgendes:

rich-girl

 

Was haben ein Selbständiger in Auftragsflaute und ein Millionär gemeinsam?

 

 

Sie haben Zeit. Sehr viel Zeit.

Auch das ist Reichtum.

 

 

 

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1 Comment:

  1. Sebastian sagt:

    Hi Melanie,

    schön dein Optimismus aus diesem Artikel herauszulesen. Das mit der “zeit im Überfluss” stimmt wenn die Auftragslage schlecht ist. Das kann ich nur aus meinen Anfangszeiten bestätigen. Für Selbstständige gibt as jedoch immer etwas zu tun. Ich möchte gern noch hinzufügen das man am Anfang 60% seiner Zeit in marketing investieren sollte und der Rest für eigentliche Auftragsabwicklung. Das tolle dieser Tage ist im Internet gibt es alles umsonst zum lernen, Netzwerken und “sich einen Namen machen”.
    Ich wünsch dir wie immer VIEL ERFOLG! Ich mag deinen Schreibstil.

    LG

    Sebastian

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